Zentrum Kopf-Hals-Tumore

Die Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie ist ein zertifiziertes Zentrum für Kopf- und Halstumore.

Sie befinden sich hier:

Mund-, Kiefer- und Gesichtstumore

Das Bild zeigt das Logo der deutschen Krebsgesellschaft

Alle Formen von gut- oder bösartigen Tumoren können im Kopf-Hals-Bereich vorkommen. Gutartige Tumore von Lippen und Mundhöhle gehören dabei jedoch zu den Raritäten, können aber als Neubildung der verschiedenen Ursprungsgewebe dieser Region vorkommen.

Gutartige Tumore, die vom Epithel ausgehen sind dabei Papillom, Keratoakanthom und Adenome. In den tieferen Gewebsschichten, dem sogenannten Bindegewebe oder Mesenchym, können Fibrome, Lipome, Rhabdo- und Leiomyome vorkommen. Die Therapie ist in der Regel chirurgisch.

Eine Sonderstellung nehmen die Gefäßtumore, die sogenannten Hämangiome ein. Sie sind in den meisten Fällen angeboren oder entwickeln sich früh in den ersten Lebensmonaten. Trotz ihrer teilweise vorhandenen Tendenz zur Spontanrückbildung sollte hier frühzeitig eine Therapie eingeleitet werden. Neben der konventionell chirurgischen Therapie steht hier insbesondere die Laserbehandlung im Vordergrund. Die Strahlentherapie wird in Anbetracht der möglichen Folgeschäden heute nicht mehr durchgeführt.

Die überwiegende Mehrzahl der bösartigen Tumore sind Plattenepithelkarzinome. Seltener entstehen Malignome im Bindegewebe, die je nach Ursprungsgewebe als Liposarkome, Fibro- oder Myxosarkome, Lymphome und Rhabdomyosarkome bezeichnet werden. Die Behandlung erfolgt hauptsächlich chirurgisch. Eventuell muß aber wegen der hohen Aggressivität dieser Tumore auch eine Strahlen- oder Chemotherapie durchgeführt werden.

Weitere Informationen

In 95% der Fälle handelt es sich bei den Tumoren im Kopf-Hals-Bereich um Plattenepithelkarzinome. Die Entstehung dieser Tumore ist nach dem heutigen Stand der Wissenschaft ein multifaktorielles Geschehen, wobei verschiedene Kanzerogene als Risikofaktor beschrieben werden. An erster Stelle sind der Tabak- und Alkoholkonsum zu nennen, wobei insbesondere der regelmäßige kombinierte Genuß zu einem sich multiplizierenden Risiko der Entstehung dieser Tumorentität führt. Weitere Faktoren sind die Mundhygiene und Ernährungsgewohnheiten, wobei insbesondere die Mangelernährung zu einem gesteigerten Risiko führt. Ob es eine genetische Disposition gibt und ob virale Infektionen für die Entstehung dieser Tumoren verantwortlich sind ist augenblicklich noch Gegenstand der Forschung.

Tumoren im Kopf-Hals-Bereich stehen an 5. Stelle der häufigsten Krebserkrankungen weltweit. In Europa kommt es jährlich zu 60.000 Neuerkrankungen, in den USA wird von 40.000 neuen Fällen jedes Jahr berichtet. Von diesen 100.000 Personen versterben 25.000 jedes Jahr. Gleichzeitig läßt sich in der Bundesrepublik Deutschland eine eindeutige Zunahme der Inzidenz und Mortalität statistisch belegen, die Zahl der Mundhöhlenkarzinome stieg in den letzten 50 Jahren um das 6-fache.

Die meisten Menschen, aber auch Ärzte und Zahnärzte gehen davon aus, daß eine helle Verfärbung der Mundschleimhaut, die sogenannte Leukoplakie, das häufigste Frühstadium der Erkrankung darstellt. Tatsächlich erweisen sich aber nur 5% dieser Veränderungen als bösartig. Meistens erscheint das asymptomatische Frühstadium jedoch als rötlich verfärbte Erosion. Der betroffene Bereich wirkt entzündlich und weist kleine Substanzdefekte auf und lässt sich oft nicht von einer Druckstelle, z. B. einer Prothese, unterscheiden. Erst später erscheint ein tiefes Geschwür mit glattem, verhärtetem und eingerolltem Rand, verwachsen mit tieferen Gewebsschichten. Der Bereich tastet sich nun verhärtet.

Besteht der dringende Verdacht auf einen Tumor im Kopf-Hals-Bereich, so ist die sofortige Vorstellung in einer ausgewiesenen Fachklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie angezeigt, da die Aussicht auf Heilung vom frühzeitigen Behandlungsbeginn abhängt. Es sollte nun die Diagnostik im nötigen Umfang mittels Sonographie, konventionellem Röntgen, Computerthomographie (CT), Magnetresonanzthomographie (MRT), Knochenszintigraphie und ggf. Positronenemissionsthomographie (PET) durchgeführt, und die unverzügliche stadiengerechte Behandlung begonnen werden. Die Diagnosesicherung basiert dabei jedoch immer auf der feingeweblichen Untersuchung einer Gewebeprobe. Neben der Minimierung der oben beschriebenen Risikofaktoren, insbesondere dem Alkohol- und Niktotinabusus zur Verhinderung der Entstehung eines Mundhöhlenkarzinoms, ist vor allem die Früherkennung von entscheidener Bedeutung. Nur so kann in einem frühem Stadium die Therapie eingeleitet werden und eine Heilung erfolgen.

Wir empfehlen Ihnen daher eine regelmäßige Vorsorgeuntersuchung bei einem geschulten Facharzt für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie bzw. in einer entsprechenden Fachklinik.

Entsprechend der Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie besitzt in unserer Klinik bei der Therapie maligner Tumoren der Kopf-Hals-Region die operative Behandlung mit der radikalen Tumorentfernung, gleichbedeutend mit der en-bloc-Resektion des Primärtumors sowie der ableitenden Lymphbahnen absolute Priorität. Um den Tumor im Gesunden zu entfernen, sind zum Teil ausgedehnte Resektionen mit Entfernung von Weichteilen und Knochen erforderlich. Früher war aufgrund begrenzter Rekonstruktionsmöglichkeiten häufig lediglich der anatomische Verschluß des Resektionsdefektes möglich, der zu deutlichen Einschränkungen der Schluck- und Sprachqualität führte.

In unserer Klinik wird durch den Einsatz des mikrochirurgischen Gewebetransfers zur Rekonstruktion in fast allen Fällen ein funktionell und ästhetisch gutes postoperatives Ergebnis erzielt. Die routinemäßige Durchführung der Rekonstruktion großer Hart- und Weichgewebsdefekte erlaubte damit auch eine Ausweitung der chirurgischen Therapie sehr großer, früher als inoperabel bezeichneter Tumoren. Damit hat die plastisch-rekonstruktive Chirurgie mit ihrer Vielzahl an Spendearealen zur Defektrekonstruktion im Kopf-Hals-Bereich ein ausgesprochen hohes Niveau erreicht.

Standardmäßig wird die Erkrankung wie oben beschrieben operativ behandelt. Wenn eine operative Behandlung aufgrund der Größe bzw. Lage des Tumors nicht möglich ist, müssen andere Therapieverfahren mit kurativem (heilendem) Ansatz eingesetzt werden. Standardmäßig wird bei Kopf-Hals-Tumoren (aufgrund der befallenen Zellinie handelt es sich um ein sogenanntes Plattenepithelkarzinom) eine örtliche Bestrahlungstherapie (Radiotherapie)durchgeführt.
Neuere Forschungsergebnisse haben gezeigt, dass es vorteilhaft sein kann, wenn man die örtliche Bestrahlung mit einer Chemotherapie kombiniert. Bei dieser sogenannten Radiochemotherapie werden durch die Chemotherapie zunächst die Krebszellen vorgeschädigt und sensibilisiert. Die so geschwächten Zellen reagieren auf die unmittelbar nachfolgende Bestrahlung dann äußerst empfindlich und der Tumor kann auf diese Weise wesentlich wirkungsvoller bekämpft werden als durch Strahlung allein.

Ein Problem bleibt aber auch bei der Radiochemotherapie bestehen:
Aus dem Tumorverband können sich bereits Zellen gelöst haben, die sich über den Kreislauf verteilt und an entfernten Stellen des Körpers angesiedelt haben. Dort entstehen dann Tochtertumore, sogenannte Metastasen. Um auch diesem Prozess wirkungsvoll zu begegnen, versuchen wir in einer Untersuchung der Radiochemotherapie nach kurzer Zeit eine vollwirksame systemische Chemotherapie folgen zu lassen. Hiermit sollen dann auch eventuell bereits abgewanderte Krebszellen zerstört und das Auftreten von Metastasen verhindert werden.

Diese Erkenntnisse haben dazu geführt, dass wir in unserer Klinik Patienten -bei Erfüllung der medizinischen Voraussetzungen- innerhalb klinischer Studien behandeln. Zur Zeit werden folgende multizentrische Studien durchgeführt:

Phase II- Studie zur Radiochemotherapie mit niedrig dosiertem Gemcitabin gefolgt von einer systemischen Chemotherapie mit Gemcitabin bei primär inoperablen Plattenepithelkarzinomen im Kopf- Hals-Bereich.

Multizentrische, randomisierte Phase II-III-Studie zum vergleich von Docetaxel plus Cisplatin und Docetaxel plus 5- Fluorouracil versus Cisplatin plus 5- Fluorouracil in der Behandlung von Patienten mit wieder auftetenem und/oder metastasiertem Kopf- Hals- Tumoren.

Multinationale, multizentrische offene Studie zur Beurteilung der Wirksamkeit von Cetuximab (monoklonaler EGFR-Antikörper) in Kombination mit Chemotherapie bei metastasiertem und/oder rezidivierten Kopf- Hals- Tumoren.

In den letzten Jahren ist in der klinischen Medizin ein Umdenkprozess erkennbar geworden. Zunehmend gewinnen die supportiven (unterstützenden) Therapieansätze an Bedeutung. In unserer Klinik werden Patienten neben der herkömmlichen Therapie weiter auf ihrem Weg der Heilung unterstützt.
Die Erkenntnis, dass Patienten mit Tumoren im Kopf- Hals- Bereich häufig schlecht ernährt sind und eine eingeschränkte Abwehr haben, auch als Immunnschwäche bezeichnet, hat in unserer Klinik zur Einführung einer immunnutritieven Therapie geführt. Der Einfluss der immunsupportiven Ernährung auf das Therapieansprechen ist augenblicklich Ziel unserer Forschung. In dem Einsatz von Wachstumsfaktoren, die die Blutbildung unterstützen, sehen wir einen weiteren Ansatz, um die Therapie unserer Patienten zu unterstützen.

Umfassende Behandlungskonzepte werden durch den Einsatz eines Teams von Betreuern -Studienschwester, Ernährungsberater, Logopädie- in unserer Klinik durchgeführt.

Basaliome

Das Basaliom ist der mit Abstand häufigste Hauttumor. Er entwickelt sich aus den primären Keimzellen des Hautepithels -den Basalzellen. Im Gegensatz zu den anderen Formen des Hautkrebs, dem Spinaliom (Stachelzell- Hautkrebs) und dem Melanom (schwarzer Hautkrebs), entwickelt es nur sehr selten Absiedlungen, sog. Metastasen, in anderen Organen. Durch ihr destruktives Wachstum können sie aber wichtige Strukturen (Augen, Mund, Nase Knochen, Hirnhaut) infiltrieren und so zum Tode führen.

Das Basaliom entwickelt sich überwiegend auf stark sonnenexponierten Stellen im Gesicht wie Nase, Wange, Schläfe und Ohren, kann aber prinzipiell an allen Stellen des Körpers auftreten. Betroffen sind meist hellhäutige Menschen ab dem 50. Lebensjahr. In seltenen Fällen kann das Basaliom im Rahmen eines vererbten Syndroms aber auch schon ab dem 20. Lehbensjahr auftreten. Es hat eine Häufigkeit von Neuerkrankungen pro Jahr auf 1000 Einwohner und ist damit die häufigste Krebsart.

Typisch ist beim Basaliom das neue Auftreten von kleinen glänzenden, derben Knötchen im Gesicht, die langsam größer werden. Im Randbereich zeigen sich kleine Äderchen (Teleangiektasien). Im Laufe der Zeit entwickelt sich ein glänzender, perlenartiger Rand mit einer zentralen Eindellung oder einem Ulkus. In diesem Stadium bluten die Tunore schon bei leichter Berührung und sind häufig mit einer Kruste belegt.

Wenn Sie den Verdacht haben, an einem Basaliom im Kopf- Hals- Bereich zu leiden, sollten Sie schnellstmöglich unsere Poliklinik oder einen spezialisierten Mund-, Kiefer-, und Gesichtschirurgen aufsuchen. Dieser wird den Befund begutachten und entscheiden, ob eine Probeentnahme nötig ist. Diese wird in Lokalanästhesie durchgeführt und Sie können sofort wieder nach Hause gehen. Die Probe wird dann von einem Spezialisten histologisch untersucht.

Obwohl das Basaliom nur in seltenen Fällen Absiedlungen in anderen Organen verursacht, muss aufgrund seines aggressiven und destruierenden Wachstums eine Behandlung erfolgen. Wird der Tumor nicht behandelt, so schreitet sein Wachstum unaufhörlich fort und zerstört Bindegewebe, Knorpel und Knochen.

Im Anfangsstadium genügt zumeist eine ambulante Operation unter örtlicher Betäubung. Der Defekt kann dann von einerm versierten Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgen direkt verschlossen werden. Eine anschließende feingewebliche Untersuchung muss zur Sicherheit immer durchgeführt werden. Von Einrichtungen, bzw. Ärzten, die dieses nicht gewährleisten können oder sie nicht für nötig erachten, sollten Sie Abstand nehmen.

Im fortgeschrittenen Stadium werden die Tumoren "zweizeitig" operiert. In einer ersten Operation wird der Tumor chirurgisch entfernt, die Operationswunde aber bis zur feingeweblichen Untersuchung des herausgeschnittenen Gewebes nicht verschlossen. Zeigt die Untersuchung, dass sich noch Tumorreste im Körper befinden, erfolgt eine weitere Operation, bis alles Tumorgewebe sicher im Gesunden entfernt ist. Erst dann wird der Defekt in einem zweiten Schritt verschlossen. Dies kann je nach Größe und Ausdehnung durch lokale Verschiebeplastiken oder durch die Transplantation eigener Haut geschehen und sollte, um ein kosmetisch befriedigendes Ergebnis zu gewährleisten, nur durch einen in diesem Bereich versierten Fachmann erfolgen.

Selbst bei weit fortgeschrittenen Stadien mit Zerstörung ästhetisch und funktionell wichtiger Strukturen, wie Nase oder Ohr, sind Absiedlungen selten. Daher ist die Prognose gut. Es treten jedoch auch nach der Entfernung des Tumors im Gesunden in ca. 5% Rezidive auf uns nahezu jeder zweite Patient entwickelt an einer Stelle des Körpers einen Zweittumor. Betroffene sollten daher regelmäßig von einem Fachmann, z.B. im Rahmen einer Tumorsprechstunde untersucht werden, wie sie in unserer Klinik angeboten wird.